Wir müssen reden, Frau Doktor! [Dr. Yael Adler, Ärztin & Autorin]

Wir müssen reden, Frau Doktor! [Dr. Yael Adler, Ärztin & Autorin]

Beierl, Nina

Im Rahmen der #supporther Academy, powered by COSMOPOLITAN, haben wir mit Dr. Yael Adler über die Beziehung zwischen Arzt und Patienten gesprochen. Vor allem im November haben wir uns mit dem Thema Frauengesundheit beschäftigt – doch auch jetzt ist das Thema nicht weniger relevant. Mit den Ratgebern von Dr. Yael Adler möchten wir Dir eine Stütze sein, für Deine Probleme & Anliegen.

In einem Interview der #supporther Academy, powered by COSMOPOLITAN gibt Dr. Yael Adler Einblick über die Herausforderungen der Beziehung zwischen Arzt und Patienten. In Ihren Büchern erzählt die Autorin über Krankheiten, Checklisten, aber vor allem über das Stichwort: Vertrauen.

Was ist ein gutes Verhältnis zwischen Arzt und Patient?

Ärzte und Patienten sind Beziehungspartner und wie in einer Liebesbeziehung sind Vertrauen und gegenseitige Achtung wichtig. Man sollte Zeit haben füreinander – daran mangelt es zu oft – und miteinander reden können.

Ein gutes Verhältnis braucht aktive Beziehungsarbeit. Respekt, Verständnis und Empathie vonseiten der Ärzte und die Bereitschaft der Patienten selbst etwas zum Gelingen der Beziehung beizutragen. Ein Lieblingspatient ist ein informierter Patient, der mündig ist, Gesundheitskompetenz erwirbt und die Verantwortung fürs gesund bleiben oder -werden mit übernimmt und nicht alles allein dem Arzt überhäuft.

Es hilft, Störfaktoren, ungute Gefühle und Missverständnisse klar zu benennen, Fragen zu stellen und wirklich Partner zu sein. Also nicht einfach nur behandeln lassen, sondern wirklich gemeinsam handeln als Team, um so den besten Weg für die Heilung zu finden.

Welchen Einfluss hat Vertrauen zum Arzt auf den Heilungserfolg?

Ein gutes Verhältnis zwischen Arzt und Patient hat eine therapeutische Wirkung. Gerade bei chronischen Leiden sind Zuwendung und Vertrauen oft wichtiger, als der Einsatz von High-Tech-Medizin. Denn bei der Therapie geht es oft auch um Veränderungen im persönlichen Leben, um das Bewusstwerden von Prozessen und Verhaltensweisen und das können Geräte und Medikamente allein nicht leisten.

Eine vertrauensvolle Beziehung zum Arzt gibt Sicherheit und Zuversicht. Vertrauen baut Stress ab, der die Heilung behindert, denn Stress setzt Cortisol und Entzündungsbotenstoffe im Körper frei und schwächt das Immunsystem. Die Psyche ist Teil der Gesamtgesundheit und mit dem Körper untrennbar verknüpft.

Patienten, die ihren Ärzten vertrauen arbeiten aktiver in der Therapie mit, sie achten darauf, die Medikamente wie verabredet einzunehmen und halten sich an besprochene Vorsichtsmaßnahmen und Handlungsweisen.

Wie ist man ein Lieblingspatient?

Bleiben Sie vor allem Sie selbst und haben Sie auch Geduld mit Ihren Ärzten. Auch sie sind nur Menschen. Reden Sie miteinander und stellen Sie Fragen. Bereiten Sie zum Termin eine Checkliste vor mit den Ihnen wichtigen Themen, die Sie besprechen wollen und kündigen Sie diese Liste am Anfang auch an, damit der Arzt sich die Zeit einteilen kann. Bringen Sie alle wichtigen Unterlagen mit, wie Arztbriefe, Laborwerte und Vorbefunde. Sollte es um eine ernste Erkrankung oder eine komplizierte Diagnose gehen, lassen Sie sich von einem nahestehenden Menschen begleiten, denn vier Ohren hören mehr als zwei.

Vermeiden Sie es, die gesamte Verantwortung Ihrer Ärztin zu überlassen: „Frau Doktor, Sie machen das schon…“  Eine gute Beziehung braucht zwei gleichwertige Partner.

Darüber spricht man nicht – weg mit den Körpertabus

“Wer zu viel seift, der stinkt” stammt aus Ihrem Buch. Wie geht gesunde Körperhygiene?

Es genügt eigentlich, Gesicht und Körper nur mit Wasser zu waschen.

Bei Bedarf, wenn man sich psychisch besser fühlt, kann man nur die „Krisenherde“, also Stellen, wo man stärker schwitzt, wie die Achselhöhlen oder Füße, mit einer ganz milden Waschsubstanz reinigen. Am besten ist dabei ein synthetisches Tensid, das es sogar im Bioladen gibt, auf Zucker – oder Kokostensidbasis, das nicht so stark entfettet, nicht schäumt, keine Farb- und Duftstoffe enthält.

Eine alkalische Seife oder ein stärker entfettendes Duschgel, das schäumt, duftet und farbig ist, zerstört unsere Hautschutzmechanismen. Unser Säureschutzmantel hat einen sauren ph-Wert, die klassischen Seifen- auch Bioseifen- sind alkalisch und erhöhen den pH Wert der geseiften Haut auf pH 8-10. Die Haut braucht dann bis zu 8 Stunden, um sich nach dem Duschen wieder auf einen normalen Zustand herunter zu säuern. In dieser Zeit können sich unerwünschte Eiter-Bakterien, Pilze oder Viren vermehren. Sogar Bakterien, die einen eher stinken lassen. Zweitens laugen wir jedes Mal unsere natürliche Fettbarriereschicht aus, sie wird löchrig. Der Wiederaufbau dauert vier Wochen. Die Haut wird also trocken und kann Ekzeme und Allergien entwickeln. Auch wird das Mikrobiom der Haut angegriffen. Das sind unsere Mitbewohner, Partner, also im besten Fall gute und wichtige Bakterienfamilien, unsere Türsteher gegen Krankheitserreger und Trainer unseres Immunsystems.

Auch Hautschuppen muss man nicht weg peelen, da sie eine wichtige mechanische barreitre bedeuten, Allergene draußen halten und Feuchtigkeit in der Haut einschließen.

Gegen Körpergeruch hilft also ein robustes gesundes Mikrobiom, ein stabiler Säureschutzmantel und der Verzicht auf synthetische Kleidung, in der sich gern Stinkbakterien festsetzen und die bei 40 Grad auch sehr gut die Wäsche überleben.

Darf man denn auch Deos nutzen?

Deos enthalten Bakterien tötende Substanzen, um die Stinkbakterien zu hemmen und Parfüm, um Gerüche zu übertünchen.

Antitranspirantien sind dagegen effektiver, da sie die Schweißdrüsenausführungsgänge zusammenziehen. Sie enthalten Aluminiumverbindungen. Einige Jahre waren sie in Verruf. Man hatte Angst, Aluminium würde über die Haut in den Körper gelangen und Demenz oder Brustkrebs auslösen. Mittlerweile ist man übereingekommen, dass diese wirksamen Schweißhemmer von der Hautbarriere effektiv draußen gehalten werden.

Aluminium gelangt als dritt häufigstes Erdkrustenmetall ohnehin ständig über Wasser und Nahrung, wie etwa Tomaten in unseren Körper. Um die Zufuhr gering zu halten, ist es ratsam, Salziges und Saures nicht in Alugeschirr zu verpacken oder damit zu grillen.

Auch in 2021 wird in der #supportHer Academy, powered by COSMOPOLITAN das Thema Beziehung zwischen Arzt und Patienten nochmal groß gespielt. Denn im kommenden Jahr werden wir uns viel mit dem Thema Schönheit beschäftigen. Doch gibt es hier nicht auch einen Zwiespalt zwischen Verwendung, Nachfrage und Moral?

Thema Botox: Sie nutzen es in Ihrer Praxis, das Gift kommt in Ihrem Buch aber gar nicht so gut weg.

Da habe ich ein differenziertes Verhältnis. Botox ist in ganz kleinen, hochverdünnten Dosen nicht besonders giftig – für den Körper weniger gefährlich als Tattoos. Tattoofarben sind oft hochgiftig und bleiben ewig im Körper, während Botox wieder abgebaut wird. Man kann mitunter ansprechende Ergebnisse erreichen, wenn man Botulinumtoxin sehr dezent einsetzt.

Menschen, die den ganzen Tag angespannt vorm Bildschirm sitzen und eine tiefe Zornesfalte haben, dadurch vielleicht sogar Kopfschmerzen entwickeln – wenn man denen diese Falte entspannt, dann merkt das die Umwelt kaum. Aber der Betroffene wird entspannter. Psychiater nutzen das sogar als Antidepressivum. Wenn man böse guckt, dann denkt das Gehirn: Es geht mir schlecht. Und wenn man nicht mehr böse guckt, dann denkt das Gehirn: alles super.

Wo liegt das Problem?

Manche Menschen glauben, dass sie hübsch sind, wenn sie ihr ganzes Gesicht lahmlegen und sich nur noch die Augen in den Höhlen bewegen und der Mund auf und zu klappt. Dabei sehen sie eher grotesk aus. Die Signale, die die Leute dann an die Umwelt senden, sind falsch. Wer in der Kommunikation nicht mehr mit der Mimik arbeiten kann, wird schnell missverstanden, weckt Antipathien und Aggressionen. Es gibt sogar Anhaltspunkte dafür, dass man in der Zeit nach einer ausgedehnten Botox-Behandlung teilweise verlernt, emphatisch zu sein. Denn das, was man selbst nicht mehr empfinden und ausdrücken kann, kann man bei anderen auch nicht mehr erkennen.

Tabus geben eigentlich eine ganz gute Orientierung, was man tu oder besser lassen sollte und haben doch irgendwie eine Berechtigung. Warum sind Sie der Meinung, dass Körpertabus gebrochen werden sollten?

Es gibt viele Körper-Tabus, Probleme, die Menschen peinlich sind. Wenn eine Betroffene nicht mal mit ihrem Arzt über diese Beschwerden spricht, leidet sie ewig still vor sich hin und verliert Lebensqualität. Wer nicht über seine trockene Scheide in der Menopause spricht, wird vielleicht nie erfahren, dass man sie super wieder saftig lasern könnte. Auch verschleppt man womöglich das Problem und es wird immer schwieriger oder unmöglich, das Leiden noch zu heilen. Haarausfall sollte beispielsweise zügig behandelt werden, damit die Haarfollikel nicht dauerhaft schrumpfen. Manchmal gefährdet man sogar andere. Manche schämen sich, über Geschlechtskrankheiten zu sprechen, andere reden nicht über ihre Läuse, den Fußpilz oder ihre Warzen. Schamgefühle haben etwas mit Moral zu tun, mit gesellschaftlichen Erwartungen. Medizinisch sind die nicht immer empfehlenswert.

Herzlichen Dank für Deine Auskünfte – Du bist für uns, sowie auch viele Leserinnen eine wahre Bereicherung!

Beierl, Nina

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