Geld clever anlegen – Tipps der Finelles-Gründerinnen

Geld Clever AnlegenFoto: © Alex Rohr

Interview mit Clara Creitz und Caroline-Lucie Ulbrich über das clevere Anlegen

Clara Creitz und Caroline-Lucie Ulbrich bringen Frauen bei, mehr zu investieren. Wie das geht und was eigentlich diese Fonds genau sind, erklären die Finanzprofis und Optimistinnen hier.

Dass in der Finanzbranche nicht nur Männer in grauen Anzügen arbeiten, sieht man an Betriebswirtin Clara Creitz und Unternehmensberaterin Caroline-Lucie Ulbrich. Seit Jahren sind die beiden coolen Kolleginnen im Bankensektor tätig und wissen daher: Andere Frauen tendieren zum Sparen – obwohl es viel smarter wäre, vorzusorgen und zu investieren (Stichwort: Inflation!). Um das zu ändern, haben sie 2018 die digitale Plattform und „Lerncommunity“ Finelles gegründet und wollen Frauen damit animieren, ihr Geld „sich selbst vermehren zu lassen“. Wie das gelingt, verraten sie im Interview.

Es gibt Frauen Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit, wenn sie ihr Geld selbst managen.

Warum ist Anlegen vor allem für Frauen so ein wichtiges Thema?

Caroline-Lucie Ulbrich: Frauen sind wegen ihrer Erwerbsbiografien stärker von Altersarmut betroffen – mehr Pausen, Teilzeitarbeit, geringere Einzahlungen in Pensionskassen. Es gibt ihnen Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit, wenn sie ihr Geld selbst managen und für sich arbeiten lassen. Und hat man erst mal Blut geleckt, sieht man viele Dinge anders und traut sich auch, bei Gehaltsverhandlungen zu sagen: „Ich will aber 5000 Euro im Jahr mehr“, weil man schon weiß, wie man das Geld investieren möchte.

Wie viel von meinem Einkommen nehme ich am besten in die Hand?

Clara Creitz: Es gibt die 50-30-20-Regel der amerikanischen Senatorin Elizabeth Warren. Die besagt, man solle etwa 50 Prozent für Fixkosten ausgeben, 30 Prozent für Schnickschnack und 20 Prozent zur Seite legen und damit investieren. Das ist eine ganz gute Orientierung.

C.U.: Wichtig ist, dass man davor Schulden abbezahlt und sich ein Polster von drei bis sechs Nettomonatsgehältern aufbaut.

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Angenommen, ich hätte 1000 Euro auf der hohen Kante, die ich sofort investieren will – wie fange ich an?

C.U.: Bevor Sie investieren, machen Sie sich am besten Ihre Gesamtsituation bewusst. Also die aktuelle finanzielle Situation analysieren: Was verdiene ich, was sind meine Ziele, wie groß ist meine Renten­lücke? Schritt zwei: Wie viel Risiko will ich eingehen? So können Sie Ihr „Risikoprofil“ bestimmen und wissen dann, wie viel Sie in risikoreiche und risikoarme Anlagen investieren können. Das lässt sich leicht online ermitteln. Etwa auf justetf.com/de.

Bei Aktien-Anlagen rate ich dazu, sich abzusichern, indem man in Unterschiedliche investiert.

Heißt mehr Mut auch mehr Gewinn?

C.C.: Ja, je höher die potenzielle Rendite, also der Ertrag, desto höher ist das Risiko, etwa bei Aktien, Rohstoffen wie Gold und Immobilien. Risikoarme Anlagen sind zum Beispiel Sparbücher, Tagesgeldkonten, Anleihen aus sicheren Ländern wie Deutschland. Bei Aktien rate ich dazu, sich abzusichern, indem man in Unterschiedliche investiert. Das geht gut mit Fonds.

Was sind Fonds genau?

C.C.: Sammelsurien an verschiedenen Aktien. Dadurch reduzieren Sie das Risiko, Geld zu verlieren, wenn eine Aktie mal nicht gut läuft. Je breiter verteilt, desto besser, das nennt man Diversifikation.

Welche Anlagen empfehlen Sie Anfängern?

C.C.: ETFs, also Exchange-Traded Funds, in die investieren wir auch. Das sind an der Börse gehandelte Indexfonds. Ein ETF spiegelt einen Index wider, und ein Index stellt einen Markt dar. Beispielsweise den Deutschen Aktienindex, DAX, der die 30 größten Aktiengesellschaften Deutschlands abbildet. Ein anderer Index ist der MSCI World, der über 1600 Firmen aus Industrienationen enthält.

Was ist daran so toll?

C.C.: Ein ETF kostet etwa 0,5 Prozent des investierten Gelds pro Jahr und ist in der Regel langfristig erfolgreicher und kostengünstiger als ein aktiv gemanagter Fonds. Da engagiert man nämlich einen professionellen Fondsmanager, der die Entscheidungen trifft, und der kostet 2,5 bis 5 Prozent jährlich. Das macht mit der Zeit einen Riesenunterschied. Wer mehr über ETFs lernen oder welche suchen will, kann sich wieder über justetf.com/de informieren.

Anlegen ist wie eine Fremdsprache, die man lernt.

Das Ganze klingt nicht nach Mathe, dafür mehr nach Fachchinesisch.

C.U.: Anlegen ist wie eine Fremdsprache, die man lernt. Man muss sich einfach hinsetzen und die Spielregeln verstehen. Wenn man einen Urlaub bucht, informiert man sich auch, statt das erstbeste Angebot zu kaufen. Zudem gibt es viele Mythen. Viele denken, sie bräuchten mindestens 20 000 Euro, dabei kann man mit 25 Euro im Monat in Aktien investieren. Und das empfehlen wir: mit kleinen Beträgen starten, um ein Gespür für den Prozess zu bekommen. An sich sind Frauen auch die besseren Investoren, weil sie geduldig bleiben und nicht wie viele Männer schnelle Gewinne machen wollen und ständig ihre Investitionen kaufen und verkaufen.

Wo kann ich Aktien denn kaufen?

C.C.: Um sich ein Anlageportfolio aufzubauen, benötigen Sie ein Depotkonto, idealerweise von einer Onlinebank, bei der man Anlagen wie Aktien und Fonds kaufen kann. Die Alternative sind Robo-Advisors. Die werden von professionellen Investment-Teams betrieben und nehmen einem mithilfe von Algorithmen die Berechnung des Risikoprofils und die Auswahl der Produkte ab. Neben den Kosten für die ETFs zahlt man zwar etwa 0,5 Prozent zusätzlich pro Jahr, für viele ist das aber praktischer. Und am Ende ja immer noch günstiger als ein aktiv gemanagter Fonds.

Lieber früher als später mit dem Anlegen beginnen

Wann sollte ich am besten anfangen?

C.U.: Ich habe selbst erst mit Ende 30 angefangen zu investieren – zu spät ist es nie.

C.C.: Man sagt, man sollte mindestens 13 Jahre am Aktien­markt investiert haben, um mögliche Schwankungen ausgleichen zu können. Ansonsten gilt: Wer früher anfängt, kann Zinseszinseffekte länger nutzen.

Wo kann ich mich sonst noch beraten lassen?

C.C.: Die Verbraucherzentrale ist immer eine gute erste Anlaufstelle, um bestehende Versicherungen oder Rentenverträge zu überprüfen. Auch Honorarberater, die findet man über den Verbund Deutscher Honorarberater, sind super Ansprechpartner.

Und wie wollen Sie mit dem Portal Finelles Frauen dabei unterstützen?

C.U.: Durch Austausch und Workshops zeigen wir, dass es nicht so schwierig ist und Investieren mehr Sinn hat, als nur zu sparen. Wir wollen das Thema Finanzen enttabuisieren, damit Frauen über Investments mal genauso reden wie über Mode oder eben Urlaubsschnäppchen.

C.C.: Und wenn es so weit ist, kommen wir wieder und stoßen, wie es sich gehört, mit Champagner an.

 //  Mehr zu Clara Creitz und Caroline-Lucie Ulbrich finden Sie hier: https://www.finelles.com/

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