“In der Regel bin ich stark” [Anna Wilken, Influencerin & Autorin]

“In der Regel bin ich stark” [Anna Wilken, Influencerin & Autorin]

Beierl, Nina

Im Rahmen der #supporther Academy, powered by COSMOPOLITAN, haben wir mit Anna Wilken über Krankheiten, kurz Endometriose, gesprochen. Im Interview gibt die Influencerin nicht nur Ratschläge an Betroffene, sondern auch Einblicke in Ihr Buch “In der Regel bin ich stark“.

»Stell Dich nicht so an!« – das hat Anna Wilken viel zu oft gehört. Sie leidet an Endometriose, einem weit verbreiteten Frauenleiden, welches bis heute oft verharmlost wird – acht Jahre vergehen durchschnittlich bis zur korrekten Diagnose. Der Alltag von Betroffenen ist oft stark eingeschränkt, und es gibt keine Aussicht auf Heilung, nur Linderung der Symptome ist möglich.

Die Endometriose nimmt oft einen chronischen Verlauf: Bei bis zu 70 Prozent der Frauen, die wegen Unfruchtbarkeit behandelt werden, wird Endometriose festgestellt. Auch die Autorin brauchte Jahre, bis sie diagnostiziert wurde. Mit ihrem Buch möchte die Autorin Leserinnen ermuntern, ihre Symptome ernst zu nehmen und sich frühzeitig Unterstützung zu holen.

In einem Interview der #supporther Academy, powered by COSMOPOLITAN erzählt Anna Wilken über Krankheiten, vor allem Endometriose. Alle Teilnehmerinnen des Workshops am 26.November haben die Möglichkeit sich mit Anna auszutauschen & persönliche Fragen zu stellen.

Liebe Anna,

.. Regelschmerzen kennen wohl die meisten Frauen – wann hast Du das erste Mal gedacht, irgendwas ist nicht normal? 

Eigentlich so ziemlich als sie anfing. Meine erste Periode hat mich damals sehr erschrocken und ich wusste gar nicht so richtig hin mit mir. Es folgten zu jeder Periode, stärkere Schmerzen, was sich einfach nicht normal anfühlte und mich auch von meinem Tun abgehalten hat. Sei es zur Schule zu gehen oder sonstiges.

Das Problem Endometriose ist einerseits leider extrem weit verbreitet, aber auf der anderen Seite noch sehr vielen Frauen (und leider manchmal sogar auch Gynäkologen!!) unbekannt. Wie erklärst Du Dir das?

Ehrlich gesagt würde ich gerne eine vernünftige Erklärung finden, denn ich finde es persönlich einfach traurig, dass selbst manch ein Gynäkologe nicht bestens informiert ist.  Die Endometriose ist äußerlich eben nicht zu erkennen und ich denke dieser Faktor spielt eine große Rolle.

Ich sage es immer wieder und werde es immer wieder sagen: Wenn ich in der Stadt rumlaufe, würde niemand denken „Hey, die hat eine chronische Krankheit, die hat Safe Endometriose.“ Ganz im Gegenteil, es geht eher in die Richtung… „aber du siehst doch gar nicht krank aus.“ Krank aussehen und dennoch krank zu sein sind halt zwei verschiedene paar Schuhe. Ich hoffe, dass die Endometriose bald kein Zungenbrecher mehr ist für die Menschen da draußen und wir Betroffenen uns nicht immer erklären müssen.

Du hast selbst jahrelang sehr gelitten – an welcher Stelle hättest Du Dir früher welche Hilfe gewünscht?

Mein Leiden hat ja nicht auf einmal aufgehört, die Endometriose ist immer noch da, auch wenn ich jetzt gut mit ihr umgehen kann, ist sie nicht weg. Ich muss sagen ich hätte mir gewünscht, dass meine Gynäkologin, die damals schon den Verdacht äusserte (schon riesiges Glück), dem auch mal mehr nachgegangen wäre. So wären vielleicht keine 6 Jahre vergangen und auch hätte ich mir gewünscht mehr Verständnis von meiner Familie zu bekommen, so sehr ich meine Familie liebe und schätze, hat das einfach oft gefehlt…

Du hast Deine Prominenz genutzt, um Dich für Aufklärung stark zu machen und bist nun das Gesicht für ein wichtiges, aber auch sehr persönliches Thema. Wann und warum hast Du Dich dazu entschieden, damit an die Öffentlichkeit zu gehen und wie waren die ersten Reaktionen darauf? 

Ich selber würde mich nicht als Gesicht für die Endometriose bezeichnen. Ich weiß, dass viele mich als Endometriose Botschafterin sehen und das ehrt mich sehr, doch im Endeffekt sind es wir alle. Alle die aufklären, alle Betroffnen die Tag für Tag stark sind. Als die Diagnose damals kam war ich erst erleichtert und schnell habe ich mich dann alleine gefühlt. Niemand hatte Endometriose in meinem Umfeld, teils gar keine Probleme während der Periode. Es fühlte sich so an, als müsste es raus.

Mein kleines Geheimnis, welches ich lange mit mir trug und man auf Instagram eben auch oft gemerkt hat, dass ich nicht immer fit bin. Als ich dann noch merkte, das kaum einer über die Endometriose spricht, wollte ich meine damalige Reichweite nutzen. Nutzen um mich selbst frei zu machen und mich nicht mehr vor etwas zu verstecken, wovor man sich nicht verstecken muss und um aufzuklären. Ich habe mich alleine gefühlt und ich bin sicher, dass es einigen Frauen da draußen ebenfalls so geht.

Was gab den finalen Ausschlag für Dich, ein Buch darüber zu schreiben (und war das schwer)?

Als ich merkte, das Instagram eine tolle Plattform ist, die Endometriose aber so individuell und nicht „kurz erklärbar“ ist. Ich habe schon immer gerne auf meinem Blog geschrieben und mag schreiben, also bat es sich an. Meine Idee wurde schnell in die Tat umgesetzt, denn als ich die Idee hatte, kam ein Verlag auf uns zu. Dank meiner tollen Co Autorin Saskia Hirschberg fiel es mir nicht ganz so schwer. Das Schreiben an sich, war kein Problem für mich, nur kamen oft auch Dinge wieder hoch. Die ich vielleicht nicht noch mal durchleben wollte.

Wen möchtest Du damit in erste Linie erreichen / für wen ist es gedacht?

Alle! Betroffene, das Umfeld von Betroffnen und Frauen, die noch nicht wissen, dass sie Endometriose haben, es aber denken haben zu können.

Was ist Dein bester Rat an Betroffene oder deren Umfeld?
Reden! Sich zu trauen, man muss sich für nichts schämen und ja, ich weiß wie mühsam es ist dem Umfeld alles tausend mal zu erklären.

Irgendwann ist man verzweifelt und hat keine Energie mehr. Nur können nicht Betroffene Personen sich das Ausmaß der Endometriose oftmals nicht vorstellen. Damit sie es sich besser vorstellen können, muss man es nun mal erklären. So anschaulich wie möglich. Dazu kann es einem auch selber helfen sich frei zu machen und sich nicht zu verstecken. Denkt immer dran: Ihr müsst nicht stark sein, wegen der Endometriose, ihr seid bereits stark, weil ihr sie Tag für Tag durchlebt.

Herzlichen Dank für Deine Auskünfte – Du bist für uns eine absolute Supporther-Frau und berechtige Gewinnerin es Awards – wir freuen uns daher auf noch persönliche Einblicke in unserem gemeinsamen Workshop!

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Mara, Dana , Anna & viele weitere starke Frauen sprechen in der #supporther Academy, powered by COSMOPOLITAN über Krankheiten, so wie Endometriose. Im Workshop erzählen sie aus eigener Erfahrung, geben Tipps & Coachings für Deinen persönlichen Weg

Sei dabei & stelle Deine Fragen, im nächsten Workshop am 26. November.

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